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Nördlinger Ries, Steinheimer Becken Geologie und Paläontologie klassischer Stätten
Drei-Tage-Exkursion vom 13. bis zum 15. August 2010
Von Andreas E. Richter. Die Schwäbische Alb ist jedem Geologie-Begeisterten und jedem Fossiliensammler ein Begriff - man denkt an Schichtstufenland, riesige Arieten, verkieste Amaltheen, schalenerhaltene Braunjura-Ammoniten und vieles andere mehr. Wir lernen in der Alb bzw. im Vorland den Schwarzjura epsilon in der "Posidonienschiefer-Fazies" kennen und auf der Alb den Weißjura zeta in Rifffazies. Das Nördlinger Ries ist der berühmteste und am besten erforschte Meteoritenkrater der Welt. Wir haben nur wenig Zeit und können deshalb nur eine kleine Auswahl aus der Vielzahl der Aufschlüsse und geologischen Besonderheiten besuchen. Aber das wird ausreichen, uns einen Eindruck zu vermitteln. Wenn alles gut geht, werden wir das Ries nicht nur im Wortsinn begreifen, anfassen, sondern auch die Riesgeologie begreifen (jetzt im übertragenen Sinn).
Logistisches
Holzmaden liegt östlich von Stuttgart, am Fuße der Schwäbischen Alb, und ist bequem zu erreichen von der A 8 aus. Am Ende des ersten Exkursionstages müssen wir etwa 125 Kilometer fahren nach Kichheim am Ries, wo wir zwei Tage wohnen werden.
Exkursionsstandort
Wir wohnen im "Gästehaus Oßwald" in Kirchheim am Ries. Kirchheim ist eine Gemeinde unmittelbar am Riesrand, in Sammlerkreisen früher bestens bekannt wegen des Steinbruches am "Blasienberg", im fossilreichen Weißjura gamma, nur einen Kilometer vom Gasthaus entfernt. Der Aufschluss ist heute leider verfüllt und nicht mehr produktiv. Ewig schade - hier gab es neben schönen Ammoniten und einer extrem reichen Kleinfauna die meisten Haifischzähne des Weißjura weit und breit! Die Abbildung zeigt den Blick in die Riesebene; eingeblendet eine Luftaufnahme des Gästehauses, wo wir wohnen werden. Unsere Leistungen Führung, Erzielung der notwendigen Begehungserlaubnisse, Bezahlung der Museums-Eintrittspreise und sonstiger Kosten, Anfahrts- und Routenskizzen, ausführliche Exkursionsunterlagen mit zahlreichen Abbildungen, abendlicher Vortrag am Freitag, 2 x Halbpension (warmes Abendessen, Übernachtung und Frühstück). Bitte beachten Sie: Anreise/Rückreise und Fahrt während der Exkursion mit dem eigenen PKW! Ausrüstung Geologenhammer, Fäustel und Meißel, dünnflüssiger Sekundenkleber, feste Schuhe und Gummistiefel, sicherheitshalber Regenkleidung, reichlich Verpackungsmaterial (Zeitungspapier), Rucksack oder Tragetasche. Reisepreis: 295 € Einzelzimmer nur in beschränkter Anzahl verfügbar. Anmeldung mit eMail oder schriftlich bei Richter-Reisen: a.e.r.fossilien@t-online.de (Richter-Reisen, Ifenstraße 8 1/2, D-86163 Augsburg). Die Anmeldung ist verbindlich. Wir bitten um 30 € Anzahlung.
Exkursionsablauf Freitag, 13. August Morgens 9 Uhr Treffen der Exkursionsteilnehmer am Museum Hauff in Holzmaden. Gemeinsamer Museumsbesuch. Danach Fahrt zu einem Steinbruch in den Schichten des Schwarzjura epsilon ("Posidonienschiefer"): Platten spalten und Fossilien sammeln bis zum späten Nachmittag. Dann Fahrt nach Kirchheim am Ries (ca. 125 Kilometer), wo wir wohnen werden. Zimmerbezug. Gemeinsames Abendessen, danach Power-Point-Präsentation mit einem Exkursions-relevanten Thema. Samstag, 14. August Besuch verschiedener riesgeologischer Lokalitäten; die Auswahl wird nach aktuellen Gesichtspunkten getroffen. Nicht alle hier gezeigten Lokalitäten/Sehenswürdigkeiten werden besucht. Gelegenheit zum Sammeln geologischer Belege und Fossilien, z.B. im Riessee-Kalk. Sonntag, 15. August Fahrt nach Nördlingen; Besuch des Rieskrater-Museums; Gelegenheit zu einem kurzen Stadtbummel. Dann fahren wir ins Steinheimer Becken (reichlich 50 Kilometer). Besuch des Meteorkrater-Museums. In einem Aufschluss in den berühmten Schneckensanden sammeln wir isolierte Schnecken auf und nehmen reichlich Schneckensand für eine spätere Auswertung der hochinteressanten Kleinfauna mit. Weiterfahrt zu einem Steinbruch im oberen Weißjura mit guten Sammelmöglichkeiten der Rifffauna-Fossilien. Exkursionsende 18 Uhr.
Der Posidonienschiefer - das Buch des Lebens, Kapitel Schwarzjura epsilon
Das Hauff-Museum in Holzmaden. Rechts das alte Wohnhaus, links die modernen (mittlerweile aber auch nicht mehr ganz jungen...) Bauteile, im Garten Dinosaurier-Plastiken. Was will man machen, in der heutigen Zeit muss dem Normalbesucher eben auch was großes Dinosaurier-mäßiges geboten werden.
Oben der Blick in einen der Ausstellungsräume; rechts im Bild ein riesiges Ichthyosaurier-Skelett an der Wand. Links unten ein Plesiosaurier, rechts unten eine der prachtvollen Seelilien-Kronen. Eingeblendet ein Porträt von Bernhard Hauff (1866-1950). Porträtfoto A.E.R., übrige Fotos Walther F. Zenske. Im Hauff-Museum sehen wir die schönsten Beispiele der vorkommenden Fossilien, gesammelt in weit über einhundert Jahren, beginnend mit der Tätigkeit von Bernhard Hauff senior, einem begnadeten Sammler und Präparator. In der Tat entwickelte er die Präparationstechniken für die Wirbeltier-Fossilien aus dem Posidonienschiefer; vor ihm wurden die Fossilien nur mehr oder weniger herausgehackt.
Oben der Schädel eines etwa vier Meter langen Exemplars des Meereskrokodils Steneosaurus chapmanni. Wer so etwas (wenn auch im kleinsten Maßstab) noch nicht gemacht hat, kann die Mühe und Dauer der Präparationsarbeiten an solchen Fossilen nicht ermessen. Mit dem Finden allein ist es bei weitem nicht getan! Der von uns besuchte Steinbruch erschließt Schichten des Schwarzjura epsilon ("Posidonienschiefer"; oberer Unterjura) mit reicher Fossilführung. Vor allem Ammoniten kommen vor, auch Belemniten, Schnecken und leider nur selten Wirbeltier-Reste. Bei den Ammoniten handelt es sich um die berühmten "geplätteten" Posidonienschiefer-Formen, zwar flach, aber oft optisch schön. In der Regel sind es Vertreter der Gattungen Dactylioceras, Nodicoeloceras und Harpoceras, seltener findet man Phylloceraten, Lytoceraten und Hildoceraten. Dazu kommen Belemniten-Rostren, selten auch Muscheln wie Steinmannia und Bositra, sehr selten Brachiopoden. . Das Sammeln besteht aus dem Umdrehen, Aufdecken und Aufspalten der Schieferplatten. Wer zu entsprechenden Arbeiten Lust hat, bringt schweres Werkzeug mit – Pickel und Brecheisen.
Das Bild ganz oben zeigt einen Steinbruch im Abbau. Eingeblendet ein Ichtyhosaurier-Wirbel mit einem Durchmesser von etwa 7,5 Zentimeter (links unten). Die beiden Ammoniten links oben (ca. 20 cm) und mittig unten (ca. 15 cm) sind Vertreter der Art Harpoceras serpentinum (SCHLOTHEIM) (syn. Hildaites serpentinum), beide mit Mündung erhalten. Beim unteren Ammoniten liegen die Aptychen in der Gehäuseröhre. Sammlung Siegfried Schwaiger. Rechts unten ein Exemplar der seltener vorkommenden Hildoceraten-Form Hildaites murleyi (MOXON) (Durchmesser ca. 15 cm). Man erkennt Lobenlinien, die bei den Posidonienschiefer-Ammoniten eigenartigerweise nur bei den Hildoceraten auftreten.
Reichlich Material zum Spalten! Der junge Sammler hat eine Platte mit einem schönen Dactylioceraten gefunden, den er stolz präsentiert.
Das Nördlinger Ries Zum zweiten lernen wir bei dieser Exkursion eine geologische Besonderheit von Weltrang kennen, den wohl am besten untersuchten Meteoritenkrater der Welt. Wir besuchen einige wichtige Lokalitäten und lernen die Krater-Geologie und die abwechslungsreiche Geschichte der Krater-Forschung kennen bis hin zum Nachweis der berühmten Quarz-Hochdruck-Modifikationen Stishovit und Coesit in den sechziger Jahren. Und damit war der Impakt dann belegt und endgültig bewiesen! Wir sehen und sammeln im Ries: Die verschiedenen Suevit-Formen,„Riesgries“ = geschockte Weißjurakalke in variablen Beanspruchungsstufen, geschockten „weichen“ Granit, hochgeworfene Kristallin-Schollen wie den Wennenberg, Schliffflächen der Auswurfmassen auf Autochthonem, „Riesbelemniten“, jene berühmten treppenartig gestauchten Rostren, Bunte Brekzie, die Süßwasserkalke des Riessee-Randes mit Cepaea, Cypris risgoviensis usw. – viel zu studieren, viel zu klopfen! Sammeln also können wir reichlich, hier im Ries allerdings vor allem geologische Belege. Alles in schönster Landschaft – man fühlt sich immer wohl im Nördlinger Ries! Es ist keine spektakuläre, aber eine überaus freundliche Landschaft. Die Wacholderheiden des Riesrandes und die sanfte Ebene der Kraterfläche, durchringelt von der liebenswerten Wörnitz, mit schönen und idyllischen Ortschaften - alles fügt sich zu einem harmonischen Bild. Die vielen malerischen Dörfer und schönen Städte wie Harburg, Nördlingen und Öttingen – wohl, wir haben nicht die Zeit zum gründlichen Kennenlernen, aber wir sehen und bewundern und gewinnen Eindrücke – und kommen vielleicht bald mal wieder in diese schöne Gegend!
Das große Bild oben zeigt den Blick vom Blasienberg nach Nordosten; gleich unterhalb liegt Kirchheim am Ries, wo wir wohnen werden. Der baumbestandene Hügel in Verlängerung des Kirchdaches mit dem spitzen Turm ist Wallerstein; der Wallersteiner Felsen besteht aus Süßwasserkalk und lieferte vor langer Zeit eine schöne Land-Schildkröte. Links unten der unter Naturschutz stehende Goldberg bei Riesbürg, auch ganz nahe an Kirchheim. Er war seinerzeit ein berühmter Fundort für Fossilien aus dem Süßwasserkalk wie z.B. Vogelfedern und Eier (meist Hohlformen). Gut erkennbar die hellen Abbruchflächen der Süßwasserkalke.
Auch die Harburg ist ein Wahrzeichen des Rieses; sie liegt oberhalb des gleichnamigen Städtchens am Wörnitz-Ausfluss aus dem Ries (Flusstal und Ort liegen hinter- und unterhalb der Burg). Die Burg stammt aus dem elften und zwölften Jahrhundert und ist somit eine der ältesten Burganlagen Deutschlands. Der heutige Baubestand ist seit dem achtzehnten Jahrhundert
Ein Ausriss aus Sebastian MÜNSTERs Cosmographia, Basel 1548. Er schreibt auf Seite 468: "Von dem Riesz. Es liegt die statt Nörlingen mitten in dem untern Riesz/ und hat disz land güten kornbaw/ kein wein wachsz/ vil viech/ guet weid/ allerlei obs/ schöne ross/ dann das sie gern erblinden [?]/ vil gensz unnd schwein. Es stoszt an das Hertfeld bey Bopfinge/ an den Hanenkam bey Teckingen/ an das Schwanfeld bey Wemlingen." Wir sehen, alles war wie es heute ist - da hat sich nicht viel geändert.
Einige Worte zum Ries und zum Ries-Ereignis: Das Nördlinger Ries liegt im Übergangsbereich zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb und unterscheidet sich durch den ebenen Beckenboden deutlich von den hügeligen Alb-Landschaften. Es ist nahezu kreisförmig mit einem Durchmesser von etwa 22 x 24 Kilometern. Ursprünglich, beeinflusst durch geographische Lage und Suevit, wurde das Ries als vulkanisch entstandene Struktur gedeutet. Die Amerikaner CHAO und SHOEMAKER konnten aber 1960 durch den Nachweis der Quarz-Hochdruck-Modifikationen Coesit und Stishovit endgültig beweisen, dass es sich um den Einschlagkrater eines großen Meteoriten handelt. Der Einschlag erfolgte vor 14,7 (+- 0,4) Millionen Jahren, also in der stratigraphischen Einheit des Langh (unteres Mittelmiozän).
Ein Blockdiagramm mit der Darstellung des Rieses und des Steinheimer Beckens Der heutige flache Kraterboden liegt rund 100 bis 150 Meter unterhalb der angrenzenden Alb-Hochflächen. Die Hügel des Inneren Rings (Kristalliner Ring; z.B. Marienhöhe mit Adlerberg bei Nördlingen, Wallersteiner Felsen, Alerheimer Burgberg, Wennenberg usw.) überragen die Ebene und unterscheiden den Krater von einfachen schüsselförmigen Meteoritenkratern oder auch vulkanisch entstandenen Kratern. Vor etwa 14,7 Millionen Jahren schlug hier der Ries-Meteorit ein. Er hatte vermutlich einen Durchmesser von 1,5 Kilometern und traf mit einer Geschwindigkeit von 54000 bis 180000 Stundenkilometern auf. Die Impakt-Energie dürfte etwa derjenigen von 100000 Hiroshima-Bomben entsprochen haben. Der Meteorit durchschlug das hier zwischen 400 und 600 Meter mächtige Deckgebirge und die oberen Bereiche des kristallinen Grundgebirges. Die Auswurfmasse lag wohl im Bereich von 150 Kubikkilometern. Einzel-Auswürflinge wurden bis in 70 Kilometer Entfernung geschleudert. Im Anflugkanal wurde Schmelzglas zurückgeschleudert bis ins Moldau-Gebiet, rund 450 Kilometer entfernt: „Moldavite“. Der nur kurzfristig offene Krater hatte einen Durchmesser von etwa 25 Kilometern bei einer Tiefe von rund 500 Metern. Im weiten Umkreis war alles Leben ausgelöscht. Der Krater füllte sich schnell mit Wasser – es gab keine Abflüsse. Dadurch stieg der Salzgehalt rasch an, was zu einer Übersalzung führte – der Salzgehalt war höher als im Meer. Die entsprechende See-Fauna war individuenreich, aber artenarm. Nach einer Zeit von rund zwei Millionen Jahren verlandete der See. Der heutige Rieskessel wurde während der Eiszeiten erodiert, der nachfolgende Eintrag von Löss führte zu außerordentlich fruchtbaren Böden, was der Landwirtschaft Segen brachte - das Ries wird als die „Kornkammer Bayerns“ bezeichnet. Meteoreinschlag und Folgeereignisse Es folgen die Bilder 1 bis 5 mit den Darstellungen der Kraterbildung: Vereinfacht und stark schematisiert nach POHL, J. & H. GALL (1977): Bau und Entstehung des Ries-Kraters; Geologica Bavarica, Vol. 76; München, sowie nach HÜTTNER, R. & H. SCHMIDT-KALER (2. überarb. Aufl. 1999): Die geologische Karte des Rieses 1:50 000; Erläuterungen zu Erdgeschichte, Bau und Entstehung des Kraters sowie zu den Impaktgesteinen; Geologica Bavarica, Vol. 104; München. Aus Wikipedia.
Erste Phase: Einschlag, Beginn des Auswurfs ("Jetting").
Zweite Phase: Verdampfung des Meteoriten und der umgebenden Gesteine.
Dritte Phase: Auswurf und Bildung des Primärkraters.
Vierte Phase: Kraterwachstum, nach innen gleitende Gesteinsblöcke.
Endgültiger Krater kurzzeitig nach dem Impakt.
Oben das Profil des Nördlinger Rieses mit Darstellung der Seesedimente. Vereinfachtes, schematisches Profil nach KAVASCH, J. (1985): Meteoritenkrater Ries. Auer Verlag, Donauwörth, sowie nach PÖSGES, G. & M. SCHIEBER (2000): Das Rieskrater-Museum Nördlingen. Museumsführer und Empfehlungen zur Gestaltung eines Aufenthalts im Ries. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München. Wir betrachten die verschiedenen beim Einschlag entstandenen Gesteine: Kristallin-Brekzien Diese meist großformatigen Gesteine liegen innerhalb des Kraterrandes und bilden einen Ringwall, den Inneren Ring (Innerer Wall oder auch Kristalliner Ring). Die Schollen bestehen aus brekziiertem Kristallin, meist Granit, und sind teils so stark zertrümmert, dass ihre Konsistenz wie Sand ist. Ihre Hebung aus dem Grundgebirge wurde durch die Rückfederung des Untergrunds nach dem Impakt verursacht.
Der Wennenberg bei Alerheim (im Bild), der Alerheimer Schlossberg, der Steinberg und der Hahnenberg überragen die Riesebene und sind ein schönes Beispiel für Elemente des inneren Rings. Der Wennenberg besteht aus geschocktem und teils mürbem Biotitgranit (eingeblendetes Bild), durchzogen von einem dunklen sehr harten lamprophyrischen Ganggestein, dem "Wennenbergit". Auch Strahlenkegel treten auf, Shatter Cones, ähnlich den Strahlenkalken des Steinheimer Beckens, die beim Durchlauf der Schickwelle entstanden. Markante Hügel des Inneren Rings sind z.B. der Adlerberg bei Nördlingen, der Wallersteiner Felsen, der Alerheimer Burgberg, Steinberg und Wennenberg. Bunte Trümmermassen Die Hauptauswurfmassen des Einschlags sind die Bunten Trümmermassen, oft zu recht „bunt“ genannt. Sie bestehen aus mesozoischen Sedimentgesteinen. Sie wurden als „ballistischer Auswurf“ aus dem Untergrund herausgeschlagen und ausgeworfen, oft kilometerweit durch die Luft geschleudert. Die Ablagerung erfolgte chaotisch; so liegen z.B. dunkle Unterjura-Mergel neben Braunjura-Sandsteinen und tiefroten Tongesteinen aus dem Keuper. Andere Schollen wurden oberflächlich verschoben („Roll-Gleit-Bewegung“).
Schauen wir nun zum südöstlichen Riesrand in der Nähe von Harburg. Wir sehen auf dem Bild im Vordergrund die malerisch mäandrierende Wörnitz, dahinter das Dörfchen Ronheim und dahinter, im Dunst verschwimmend, den Steinbruch Bschor bei Ronheim. Kalk wird dort heute nicht mehr abgebaut, vielmehr ist im Steinbruch eine Recycling-Anlage untergebracht. Der Aufschluss aber existiert noch. Eingeblendet zwei Bilder des Frühlingsenzians ("Schusternägele", Gentiana verna LINNÉ) und einer Küchenschelle der Art Pulsatilla vulgaris MILLER (Mitte). Zur Exkursionszeit werden diese schönen Blumen leider nicht mehr blühen.
Ganz oben das aktuelle Bild des Steinbruchs Bschor bei Ronheim. Die Basis des Profils bilden autochthone Dickbänke des Weißjura delta, nach oben übergehend in massige Schwammkalke. Die Oberfläche des Autochthonen ist von unruhiger Wellung mit flachen Buckeln und dazwischen liegendem bis zu mehreren Metern tiefen Wannen und Rinnen. Die Oberfläche zeigt Riefung, die zumindest auf den höherliegenden Bereichen Ries-orientiert ist - sie entstand beim darüberschrammen der beim Impakt hierher geworfenen Trümmermassen. Heutzutage ist die Schlifffläche - blau umrandet - allerdings nur kleinräumig erschlossen und zudem relativ steil einfallend, was ein Begehen unmöglich macht: Am Ende geht es 30 Meter steil abwärts. Darüber lagern einige Meter Bunte Trümmermassen, bestehend aus Keuper-, Schwarz- und Braunjura-Sedimenten. Darüber lagert noch eine Allochthon-Scholle aus zerrütteten Bankkalken des Weißjura beta/gamma. Das eingeblendete Schwarz-Weiß-Bild zeigt die ehemals wunderbar offenliegende Schlifffläche im alten Steinbruch Siegling bei Holheim, am südwestlichen Riesrand. Das Bild wurde bei der Tagungs-Exkursion des "Oberrheinischen Geologischen Vereins" im Jahr 1970 aufgenommen. Darunter noch ein Bild vom Zustand im Jahr 2005 - die Schlifffläche ist nur noch erkennbar, wenn man Bescheid weiß. Auch hier ist das Betreten höchst gefährlich.
In den Tonmergelgesteinen des Jura und auch in kalkmergeligen Weißjura-Gesteinen treten immer wieder stufenförmig gebrochene und wieder verheilte Fragmente von Belemniten-Rostren auf, "Ries-Belemniten". Diese Ries-Belemniten entstanden bei Transport und Aufprall der Alochthon-Schollen; die Heilung erfolgte durch zirkulierende Kalk-beladene Gesteinswässer. Das hier in zwei Ansichten gezeigte Exemplar der Gattung Hastites stammt aus einer Schwarzjura-delta-Scholle in den Bunten Trümmermassen. Länge ca. 4 cm.
Oben ein besonders farbiges Beispiel für die Bunten Trümmermassen. Bei Bauarbeiten an einer Straßenunterführung unter der Bundesstraße 25 zwischen Donauwörth und Nördlingen wurden 2005 großflächig BunteTrümmermassen erschlossen. Es handelte sich um ungequälte homogene Schollen von Jura- und Keupergesteinen, die zu einer Allochthonscholle gehören, deren Ausmaß unbekannt ist. Die schwarzen gipsführenden Tongesteine gehören zum Schwarzjura delta, belegt durch das Auftreten von Pleuroceraten, andere zum Schwarzjura epsilon, belegt durch die Rostrenfunde von Dactyloteuthis irregularis. Die roten, violetten und weißen Mergel, Letten und Sande gehören zum Keuper: Feuerletten und Stubensandstein. Höchst bedauerlich, dass solche Aufschlüsse nicht bewahrt werden können!
In einem noch im Abbau stehenden Suevit-Steinbruch am nördlichen Riesrand ist das derzeit schönste Beispiel für die Überdeckung der Bunten Trümmermassen durch Suevit zu sehen. Die Bunte Trümmermasse besteht hier aus Mitteljura-Sandsteinen, weißen Keuper-Sandsteinen und roten Keupertonen und untergeordnet Gesteinen des Kristallins. Die Ablagerungen sind stark verknetet, vor allem die Tongesteine zeigen etwa E-W streichende Falten. Aus den Lagerungsverhältnissen kann man auf eine Roll-Gleit-Bewegung unter hohem Druck schließen. Die Bunten Trümmermassen bildeten nach dem Impakt eine geschlossene bis zu 100 Meter mächtige Decke, die Ries und Umland bis in eine Entfernung von etwa 40 Kilometern überlagerte.
Die sogenannten Fremdschollen bestehen aus allochthonen oder - im Außenbereich - parautochthonen Gesteinspaketen, oft Weißjura-Schollen, in Form von Massenkalken oder Bankkalken. In einer ganzen Reihe von Steinbrüchen im und am Ries (von denen freilich etliche heute nicht mehr im Abbau stehen) stehen Weißjura-Kalke in allochthoner Lagerung an, im oben gezeigten Steinbruch z.B. verschiedene Kalkschollen des Weißjura gamma und delta. Sie sind unterschiedlich geschockt ("Ries-Greis") und hier meist nicht wieder verkittet, was einen sehr bequemen Abbau mit dem Radlader ermöglichte. Das Bild rechts unten zeigt eine eigenartige Schock-Struktur, in dieser Form kaum bekannt und mir von der Entstehung her nicht deutbar. Im Bild unser Korrespondent Frank Stiller in jüngeren Tagen.
Suevit Der Suevit ist ein Impakt-Gestein. Dieser Gesteinstyp wurde hier im Nördlinger Reis erstmals gründlich untersucht und die Bezeichnung „Suevit“ dann auf alle derartigen Einschlag-Gesteine weltweit übertragen. Früher wurde das Gestein auch als Riestrass bezeichnet.
Oben ein Suevit-Würfel (Kantenlänge 8 cm), wie er als sinnvolles Andenken im Rieskratermuseum Nördlingen angeboten wird. Der Normal-Besucher wird wohl kaum in Steinbrüche kommen und freut sich über solch ein Souvenir. Suevit besteht vor allem aus thermisch veränderten Sedimenten, jedoch sind auch Kristallin-Komponenten enthalten. Die größeren Gesteinsbrocken (maximal einige Zentimeter) liegen in einer feinkörnigen Grundmasse von meist grauer bis graugrüner Farbe. Eingelagert sind auch Schmelzen, oft in Form von aerodynamisch geformten verglasten Objekten, deren Form erst nach der Freiwitterung erkannt werden kann. Sie sind im Gelände aber immer an den dunklen glasigen Bruchflächen erkennbar.
Größere typisch graufarbene Suevit-Blöcke (ca. 45 cm) mit eingelagerten im Querschnitt dunkleren Schmelzen, aerodynamisch geformte Glasbomben. Sie werden auch "Flädle" genannt nach der „Kuhfladen“-artigen Form. Auf den entsprechenden Feldern kann man freigewitterte Flädle finden, die dann die aerodynamische Form gut erkennen lassen. Eingeblendet ein Flädle vom Heerhof, einer klassischen Fundstelle; ca. 11 cm. Während unserer Exkursion haben wir wegen der bestellten Felder leider keine Gelegenheit, solche Flädle zu sammeln. Der Suevit, der "Schwabenstein" oder "Riestrass", ist die Rückfallbrekzie ("fallout") des Ries-Impakts. Er besteht aus Komponenten des Grund- und Deckgebirges, also sowohl aus Plutoniten wie auch Sedimenten. Mittlerweile wird der ursprünglich ausschließlich auf das entsprechende Gestein des Nördlinger Rieses bezogene Name "Suevit" weltweit als Bezeichnung für entsprechende Impakt-Gesteine verwendet.
Der farblich abweichende "Rote Suevit" erhielt seine Farbe durch einen regional vorgegebenen Hämatitgehalt. Es existiert derzeit nur noch ein einziger Aufschluss mit diesem Suevit-Typ, am nordöstlichen Riesrand. Das obere Bild zeigt die rechtwinklig gesägten Flächen eines Handstücks (die waagrecht verlaufende Linie ist die Kante). In der relativ homogenen roten Grundmasse liegen vor allem viele Plutonit-Fetzen. Bildbreite ca. 10,5 cm. Das untere Bild zeigt ein anderes Handstück mit angewitterter Oberfläche; man erkennt die variable Komponentengröße der Gesteins-Einschlüsse. Handstück 13,5 x 10 cm. Das Gestein enthält neben thermisch bis zur Aufschmelzung veränderten Sedimenten auch die Quarz-Hochdruck-Modifikationen Coesit und Stishovit, die nur bei extrem hohen Drücken entstehen können und damit ein eindeutiger Impakt-Beleg sind. Auch diaplektische Gläser treten auf. Diese Mineralien können nicht mit bloßem Auge erkannt werden; sie sind nur auf dem Wege komplizierter physikalischer Nachweise belegbar, die Gläser im Dünnschliff unter dem Mikroskop. Bohrungen belegen, dass die Suevit-Decke im Rieskrater bis zu 400 Meter mächtig ist. Die Suevit-Vorkommen am Kraterrand und außerhalb des Kraters liegen auf den Bunten Trümmermassen auf, wurden also langsamer aus der Glutwolke abgelagert als die Gesteinsschollen und -pakete der Bunten Trümmermassen. Im Suevit liegen sogenannte diaplektische Gläser und Mineralien, die nur bei extrem hohem Druck entstanden sein können, wie dies auf der Erdoberfläche nicht möglich ist. Die beiden bekanntesten und bei Impakten nachgewiesenen Quarz-Hochdruck-Modifikationen heißen Coesit und Stishovit. Coesit kann unter natürlichen Bedingungen erst ab etwa 75 Kilometern Tiefe im Zuge von Ultra-Hochdruck-Metamorphosen entstehen, oberflächlich nur durch Impakt-Metamorphose wie zum Beispiel im Ries und im Arizona-Krater (Barringer–Krater). Die Bildung erfolgt bei einem Druck von etwa 25000 bis 38000 bar und bei Temperaturen von 450 bis 800 Grad Celsius. Stishovit benötigt noch extremere Bildungsbedingungen: Etwa 160000 bar und 1200 bis 1400 Grad Celsius. Der Nachweis dieser beiden Quarz-Minerale war der endgültige Beweis für die Einschlag-Krater-Natur des Nördlinger Rieses (CHAO und SHOEMAKER, 1960). Die Suevit-Vorkommen am Riesrand und außerhalb des Kraters liegen nachweisbar immer auf den Bunten Trümmermassen auf. Nach dem Einschlag lagerten sich zuerst die Flug- oder Schub-transportierten Schollen der Bunten Trümmermassen ab, danach fielen aus der riesigen Glutwolke die leichteren Komponenten aus, der „fallout“, der jetzige Suevit. Seesedimente Das Kraterinnere ist in einer Mächtigkeit von maximal 400 Metern durch Sedimente des ehemaligen Riessees gefüllt, in Form von Tonmergel-Gesteinen. Sie überlagern die Rückfallmassen der ehemaligen Krateroberfläche, Bunte Trümmermassen und Suevit. Bei Bohrungen oder kurzfristigen Übertage-Aufschlüssen wurden unter anderem auch Fischfaunen nachgewiesen. Die Randhöhen bestehen aus Süßwasserkalken mit reicher Fauna: Entsprechend der hypersalinaren Verhältnisse treten extrem individuenreiche, aber nur ganz wenig diverse Faunen auf. Das beste Beispiel hierfür sind die kleinen Süßwasserschnecken Hydrobia und der Muschelkrebs Strandesia.
Hydrobien-Strandesien-Kalk aus den Bereichen zwischen den Algenstotzen. Man kann auch Gestein mit fest aufsitzenden Schnecken und Muschelkrebsen wie hier gezeigt sammeln. Die größere Schnecke (Hydrobis trochula) links neben dem eingeblendeten Bild ist 3 mm hoch, die Muschelkrebse messen etwa 1 mm. Das runde Bild zeigt ein Legepräparat mit kreisförmig angeordneten Muschelkrebsen der Art Strandesia risgoviensis (SIEBER, 1905), teils einklappige, teils doppelklappige Exemplare. Manche der Ostrakoden zeigen hübsche
Im Bereich des Kraterrandes treten vielerorts Kalke des ehemaligen Riesees auf. Einer der schönsten Aufschlüsse in den Süßwasserkalken war ein Steinbruch am nördlichen Riesrand. Hier stehen Süßwasserkalke in massiger Algenriff-Fazies und damit verzahnter Schichtfazies an. Markant sind vor allem die teils sehr großen Cladophorites-Stotzen (Abbildung oben), dazwischen liegen Characeen-Kalke und anorganische Sinterkalke (Bild Mitte; Bildbreite ca. 7 cm). Zwischen den Algenstotzen treten feinschichtige lockere Schwemmkalke mit Muschelkrebsen der Art Strandesia risgoviensis (SIEBER, 1905) und Süßwasserschnecken der Art Hydrobia trochula SANDBERGER auf (siehe Bilder unten). Was aber sind die vier eigenartigen Kalk-Objekte auf dem unteren Bild? Sie treten hier in den Süßwasserkalken des Rieses nur sehr selten auf und wurden zusammen mit den Cepaeen (siehe unten) vom Land her einschwemmt. Ich sammelte als Jugendlicher einige wenige solcher Fossilien und wusste lange nicht, was es ist. Wissen Sie es? Das Stück links außen ist 1,4 cm lang.
In den Süßwasserkalken liegen auch eingeschwemmte Landschnecken, die meist zur Art Cepaea sylvestrina (SCHLOTHEIM, 1820) gehören. Sie traten an vielen Lokalitäten auf, so am Adlerberg bei Nördlingen, z.B. auch bei Belzheim und Hainsfarth am nördlichen Riesrand. Diese Exemplare wurden etwa 1970 von mir gesammelt; das unten gezeigte auf Stein sitzende Exemplar hat noch die Mündung. Durchmesser 1,9 cm. Daneben findet man regional auch Fossilien von Vögeln (Federn und auch Eier), Reptilien und Säugetieren (vor allem als Gewöll-Fossilien in den Süßwasserkalken am Goldberg). Die Flora besteht aus Algen, Schilfresten (meist Hohlformen), Hölzern und sehr seltenen Blättern.
Der Steinbruch "Altenbürg" Der Besuch des uralten Suevit-Steinbruchs „Altenbürg“ bei der schönen Waldgaststätte „Alte Bürg“ ist ein Muss jeder Ries-Exkursion. Der Steinbruch ist eine klassische Lokalität, auch wegen des baugeschichtlichen Bezugs: Hier wurden die Steine gebrochen für den Bau der Georgskirche samt "Daniel" und für mehrere historische Gebäude in Nördlingen. Man bedenke: Mit dem Bau der Kirche wurde 1427 begonnen, er wurde 1505 abgeschlossen, Der Steinbruch Altenbürg existiert also seit nunmehr knapp 600 Jahren. Der Steinbruch liegt in einem dicht bewaldeten Höhenzug nahe des südwestlichen Riesrands, der in der sogenannten Megablock-Zone liegt, zwischen innerem Kraterring und nahe des äußeren Kraterrands. Bis ins Jahr 1960 galt der Steinbruch als Beleg-Lokalität für die vulkanische Entstehung des Rieses. Eine ganze Reihe bekannter Geologen vertrat die vulkanische Entstehung des Rieses. Einer der prominentesten war wohl der bekannte und höchst sympathische Georg Wagner, vor allem bekannt wegen seiner hervorragenden „ Einführung in die Erd- und Landschaftsgeschichte mit besonderer Berücksichtigung Süddeutschlands“, erschienen in drei Auflagen und wohl das beste Lehrbuch dieser Art. Dann (1960 publiziert) wiesen die Amerikaner CHAO & SHOEMAKER in Sueviten, zuerst von der Lokalität Aumühle bei Oettingen, die Quarz-Hochdruck-Modifikationen Coesit und Stishovit nach. Damit war die Entstehung des Rieskraters durch einen Meteoriteneinschlag, einen Impakt, zweifelsfrei nachgewiesen.
Im Bild ganz oben die Nordwand des Steinbruchs "Altenbürg". Wir sehen links den Massenkalk, in der Mitte Suevit und rechts gebankte Kalke des Weißjura gamma. Eingeblendet das Wirtshausschild der "Alten Bürg" und eine nähere Ansicht des Kontakts Suevit zum Bankkalk des Weißjura. Als Referenzpunkt für die Vulkan-Theorie galt der Steinbruch Altenbürg deswegen, weil hier – und nur hier! – ein senkrechter Kontakt zwischen dem Suevit und den anlagernden Weißjura-Gesteinen besteht. Dieser Kontakt ist auch heute noch sehr schön sichtbar in der Nordwand, in deren östlichem Bereich gebankte Kalke und Kalkmergel des Weißjura gamma anstehen und nahezu vertikal an den zentral in der Wand anstehenden Suevit anschließen; sie streichen mit 15 – 10 Grad und fallen mit 5 bis 10 Grad nach Westen ein. Westlich der Suevit-Einlagerung liegt eine teils brekziierte Massenkalkscholle (Schwammkalke) des Weißjura, mit vertikalem Kontakt zum Suevit (Streichen Ost-West). Die Situation wurde von den Vulkanisten unter den Riesforschern so gedeutet, dass es sich hier um einen Eruptionsschlot handelt mit nicht ausgeworfenen Vulkaniten, erhalten als Schlotfüllung („Schlot-Trass“). Als man zum weiteren Nachweis im Steinbruchbereich rund 20 Bohrungen abteufte, stellte es sich heraus, dass alle Bohrungen nach durchschnittlich 15 Metern auf unterlagernde Bunte Trümmermassen oder auch auf Weißjura-Kalk trafen. Damit war die Schlot-Theorie hinfällig geworden.
Brekziierter Weißjura-gamma-Kalk; Größe des Blocks maximal ca. 30 cm. Rechts ein kleiner Ammonit aus dem Weißjura-gamma-Bankkalk, ein Glochiceras. Die Entstehung der Lagerungsverhältnisse muss man sich so vorstellen: Beim Einschlag wurden in das Gebiet um den heutigen Steinbruch mehrere Weißjura-Schollen geworfen, umgelagert vermutlich aus relativ geringer Entfernung. Sie lagern teils auf Kalken, teils auch auf Bunter Trümmermasse. Die Weiß-Gamma-Scholle wurde zufällig mit nahezu horizontal verlaufender Bankung abgelagert (wobei es möglich ist, dass sie auf dem Kopf steht, also verkippt abgelagert wurde). Nur Sekunden später erfolgte der Fallout des rund 600 Grad heißen Suevits, der die Lücken zwischen Massen- und Bankkalk auffüllte. Am unmittelbaren Kontakt Suevit/Kalk treten im Kalk Verfärbungen auf, die auf die Frittung des Kalkgesteins durch den heißen Suevit zurückzuführen sind. Die hiesigen Suevite sind gelblich bis graugrün und zeigen bastionsartige Verwitterungsformen, durchaus an granitische Wollsack-Verwitterung erinnernd. Die gebankten Kalke des Weißjura gamma zeigen genauso wie der Massenkalk Brekziierung. Sie führen Fossilien wie z.B. Ammoniten.
Die freie Reichsstadt Nördlingen Und nun nach Nördlingen, der "Freien Reichsstadt", wahrlich ein "Kleinod des Mittelalters", mauerumwallt, mit vielen engen Straßen und schmalen Gassen, wunderbaren Fachwerkhäusern, der Georgskirche, dem Rathaus usw. usw. -
"Die Gegend um Nördlingen, genandt das Ries, benebst dem Prospect u. Grundris der K.Fr. Reichs St. Nördlingen". Hommaen officin, 1738.
Ein Ausriss aus Sebastian MÜNSTERs Cosmographia, Basel 1548. Auf der Seite 468 findet man diese Beschreibung: "Nörlingen im Riesz. Es ist Nörlingen ein Reichstatt an der Eger gelegenn. Do ist allejar Mesz von kauffmanschatz auff unsers Hergotstag. Es kommen vil schöner Ross do hin unnd Weyber. Die ross lauffen umd de Scharlach/ un die weyblin um ein Barcher." Dann schreibt er noch über weitere Orte am und im Ries. "Barcher" mein Barchent, ein Mischgewebe aus Baumwolle auf Leinenkette.
Der "Daniel" und der mächtige Hallenbau der Sankt-Georgs-Kirche, erbaut zwischen 1427 und 1505, wobei die gotische Turmspitze des 1490 beendeten Turmbaues wegen Geldmangels nicht gebaut werden konnte und später folgen sollte. Das Kuppelhelm-Provisorium blieb bestehen, wie das halt häufig ist mit Provisorien. Der Turm mit seinen 90 Metern Höhe ist ein Wahrzeichen der Stadt und auch des Rieses. Noch immer wohnt ein Türmer dort oben ("So Gsell so"), und wer Lust hat, kann den Turm ersteigen (365 Stufen...) - wahrlich ein Erlebnis! Von oben ein wunderbarer Blick auf Stadt und Ries. Eingeblendet das Wirtshausschild des Gasthauses "Zur Stadt".
a) Der "Daniel" von unten... b) Die Herrengasse mit der links liegenden "Roßwette". c) Das zwischen 1442 und 1444 erbaute Brot- und Tanzhaus am Marktplatz, gegenüber des Rathauses. d) Die vom Marktplatz zum Weinmarkt mit dem Hallgebäude führende Polizeigasse, mit wunderbaren alten Bürgerhäusern. e) In kleinen Gassen kann man auch noch solche Bilder sehen, wohl ungepflegt, aber malerisch und durchaus "ansehnlich". Fotografiert im Gerberviertel unweit des Rieskratermuseums. f) Die komplett erhaltene Stadtmauer von 1327 hat fünf Tore mit Tortürmen, elf weitere Türme und zwei Bastionen. Der Wehrgang ist vollständig erhalten und kann umlaufend begangen werden und bietet vielfältige Blicke auf die Stadt (das dauert allerdings eine Weile, bis man Nördlingen umrundet hat).
Das Nördlinger Rathaus, prominent am Marktplatz gelegen, mit der schönen aus Suevit erbauten Treppe. Das Gebäude stammt in den Grundzügen aus den ersten Jahren des vierzehnten Jahrhunderts, die Renaissance-Treppe wurde 1618 angebaut. Eingeblendet ein Souvenir-Krug mit der Abbildung des Gebäudes (erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts).
Zwei Blicke vom Daniel auf Land und Stadt. Oben der Blick nach Westen; man sieht am Horizont Ipf und Goldberg. Unten ein Blick hinab in die Stadt, auf Marktplatz und Rathaus. Fotos Siegfried Wiescholek.
Das in einer alten Scheuer aus dem sechzehnten Jahrhundert eingerichtete Rieskratermuseum ist sowohl optisch wie auch vom Informationswert her optimal gestaltet: Man sieht, staunt und lernt. Prominent sind die Ausstellungen zur Riesgeologie, aber auch den weltweiten Meteoritenkratern wird Raum gewidmet; es gibt verschiedenste Meteoriten-Exponate und sogar ein 165 Gramm schweres Stück Mondgestein. Foto oben links aus Wikipedia, die beiden anderen von
Das Steinheimer Becken
Das Steinheimer Becken liegt etwa 40 Kilometer südwestlich des Nördlinger Rieses. Es ist ebenfalls durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden, und da Einschlagrichtung und –zeit gleichartig sind, dürfte es sich um den Impakt zweier Meteoriten-Teile handeln. Möglicherweise spaltete sich vor dem Aufschlag ein kleinerer Brocken ab und landete im Bereich des Steinheimer Beckens, vielleicht auch handelte es sich um einen Doppel-Meteoriten. Man nimmt einen Meteoriten-Durchmesser von rund 150 Metern an, was einer Impakt-Energie von etwa einem Prozent derjenigen des Ries-Meteoriten entsprechen würde. Der Krater-Durchmesser beträgt 3,5 Kilometer, die Kratertiefe ungefähr 200 Meter. In der Beckenmitte existiert ein Zentralberg, der Klosterberg. Ich zitiere aus ENGELs "Geognostischen Wegweiser durch Baden-Württemberg" (3. Auflage 1908; S. 558 und 559, im Auszug), der Steinheimer Becken und Nördlinger Ries als vulkanische Phänomene betrachtet: "Das berühmte Becken von Steinheim (6 km westlich von Heidenheim), offenbar eine vulkanische Einbruchstelle, die später von einem Süsswassersee (wie das viel grössere Ries und das kleinere Randecker Maar) ausgefüllt ward und auch sonst den ähnlichen Gebilden im Ries (Nördlingen) sich mehr oder weniger anschliesst. Das Material ist teils (am Fuss des "Klosterbergs") ein loser Sand, Schneckensand genannt von den Milliarden von Schneckenschalen (meist Carinifex [Planorbis] multiformis), die darin liegen, ja deren Trümmer ihn eigentlich bilden, teils fester Süsswasserkalk, dessen Felsen (am sogen. "Steinhirn" auf der Höhe des Klosterbergs) leider jetzt alle bis auf einen einzigen der Industrie zum Opfer gefallen sind. Sie wurden als Werksteine verwendet und grösstenteils zu Uferbauten an die Donau verfrachtet. Neben den Schnecken, davon insbesondere der genannte Carinifex multiformis seiner vielen Varietäten wegen schon eine ganze Literatur erzeugt hat, nehmen fast noch mehr die Säugetier- und Fischreste von Steinheim uns Interesse in Anspruch, da dieselben in unvergleichlicher Schönheit gefunden werden. Die Fischschicht liegt in den unteren Lagen der (PHARION'schen ) Sandgrube, etliche Meter darüber, wieder einen ganz bestimmten Horizont einnehmend, kommt im Schneckensand die Säugetierzone." - "In der genannten Sandgrube sind noch weiter auszuheben besondere Plätze, an denen Clausilia und Pupa vorkommen..." "...dann wieder Schichten, die fast nur aus Schalen von Limnaeus socialis bestehen."
Das große Bild zeigt Steinheim und im Dunst verschwindend den Zentralberg, genannt Klosterberg. Darüber nochmals eine Ansicht des Klosterbergs.
Hier eine sehr alte fotografische Aufnahme der Pharion'schen Sandgrube, aus den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts.
Ein Handstückchen Schneckenkalk, mit fest aufsitzenden Gyraulen und Lymnaeen. Bildbreite des großen Bildes ca. 8 cm, des kleinen 2,5 cm.
Eine von mir nachempfundene Entwicklungsreihe der Gattung Planorbis, eingeklebt in ein Holzrähmchen 10,8 x 6,5 cm. Vergrößert die Nummern 8 und 16.
Verschiedene Kleinschnecken, allesamt Süßwasserschnecken, aus dem Steinheimer Schneckensand (Bildhintergrund). Mit meinen eigenen kleinen Händen 1971 sortiert und in kleine selbstgebastelte Holzrahmen ("Englisches Format") eingeklebt. Die Schnecken des oberen gezeigten Rähmchens wurden damals von mir bestimmt als "Gyraulus steinheimensis (HILGENDORF)" (größtes Exemplar 5,5 mm), die des unteren Rähmchens als "Litorinella ultriculosa SANDBERGER"
Ein Markenzeichen des Steinheimer Beckens sind die Strahlenkalke, "Shatter Cones", früher auf manchen Feldern zu finden und vor einigen Jahren im Zuge von Straßenbauarbeiten im Anstehenden sammelbar. Leider vorbei! Strahlenkalke sind weltweit vorhanden und verweisen in der Regel auf einen Impakt, einen Meteoriten-Einschlag. Bildbreite 10 cm.
Zum Abschluss der Exkursion besuchen wir einen Steinbruch in den Schichten des oberen Weißjura. In den dortigen Kalken gibt es zwar keine oder nur äußerst selten Ammoniten, dafür aber regional eine hochinteressante Schwammriff-Fauna, mit Schwämmen, Seelilien, Brachiopoden, Seeigeln; in höheren Bereichen und anderer Fazies auch Pleurotomarien. Manches ist schnell zu finden, anderes extrem selten, wozu natürlich vor allem die Seeigel und die Seelilienkapseln gehören.
Das große Bild zeigt eine Ansicht des von uns besuchten riesigen Steinbruches. Das eingeblendete Bild zeigt einen Hang mit Riffgesteinen in kalkmergeliger Fazies, teils mit hohem Mergelanteil. Die enthaltenen Fossilien wittern aus bzw. werden freigeregnet und können lose gesammelt werden. Sie müssen freilich noch präpariert werden, was am besten mit KOH oder auch mit dezenter Säure-Ätzung erfolgt. Fotos Walther F. Zenske.
Links ein komplettes ungedrücktes Gehäuse des Seeigels Plegiocidaris cervicalis (AGASSIZ); Sammlung Alois Schmidt. Solche Funde sind extrem selten.
Eine schöne Kelchkapsel der Seelilie Millericrinus milleri (SCHLOTHEIM), bereits präpariert. Sehr selten zu finden.
Hier ein Seeigelfund vom Walther Zenske, im großen Bild fotografiert im Fundzustand. Vermutlich handelt es sich um Hemipedina calva (QUENSTEDT). Ebenfalls ein seltener Fund.
Tafel mit Fundstücken aus der Rifffazies des besuchten Steinbruches. Nur die Seelilien-Kapseln der Abbildungen h und i sind präpariert, alle anderen Stücke wurden nur gewaschen. Sammlung A.E.R., außer h = Sammlung Alois Schmidt. Die Fossilien der Abbildungen a bis d, f und g sind häufig und können problemlos gesammelt werden. a) Schwämme gibt es reichlich, und wenn die Stücke auch nicht sehr groß sind, so doch wunderbar erhalten. Es handelt sich um Exemplare der Art Stellispongia glomerata (QUENSTEDT). Das Exemplar oben links misst etwa 3,5 cm.
Ausbeute aus dem Steinbruch, freilich von etlichen Begehungen. Hinten ein Rhabdocidaris-Stachel und ein Seelilienstielglied (Millericrinus), Seelilien-Kapseln von drei Arten, zwei Plegiocidaris-Gehäuse, eine Seelilienwurzel und rechts unten eine frei geätzte Koralle (cf. Montlivaltia) - manche der Stücke sind offenbar einigermaßen dicht verkieselt. Sammlung Alois Schmidt.
Das Bild ganz oben zeigt einen Sammler bei der fachkundigen Bergung einer ungewöhnlich großen Turmschnecke in Schalenerhaltung; rechts darunter das Bild der Schnecke. Links oben eine kleinere Schnecke, ebenfalls in Schalenerhaltung. Unten links der Steinkern einer solchen Schnecke; Sammlung Alois Schmidt.
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